Sebastian Wagner

CPV-Codes erklärt: Aufbau, Liste der 45 Abteilungen und wie Bieter den richtigen Code finden (Stand 2026)

CPV-Codes aus Bietersicht: Aufbau mit Prüfziffer, die Liste der 45 Abteilungen, die häufigsten Codes 2025 aus 210.870 deutschen Verfahren und warum CPV-Filter trotzdem die falschen Ausschreibungen liefern.

CPV-Codes sind die Kennziffern des Gemeinsamen Vokabulars für öffentliche Aufträge (Common Procurement Vocabulary), mit denen öffentliche Auftraggeber in der EU den Gegenstand einer Ausschreibung klassifizieren: 9.454 Codes im Hauptteil, jeweils acht Ziffern plus Prüfziffer, eingeführt durch die Verordnung (EG) Nr. 2195/2002 und seit dem 15. September 2008 in der Fassung der Verordnung (EG) Nr. 213/2008 (CPV 2008) anzuwenden.

Für Bieter ist der CPV-Code das wichtigste Filterkriterium auf Vergabeplattformen: Jede EU-weite Auftragsbekanntmachung muss ihn enthalten (Anhang V Teil C Nr. 5 der Richtlinie 2014/24/EU, deren Artikel 23 Absatz 1 dafür das CPV vorschreibt; in Deutschland § 37 Absatz 2 in Verbindung mit § 10a VgV). Vergeben wird er allerdings nicht von Ihnen, sondern von der Vergabestelle, und dort entstehen die Fehler, die Bieter später als falsche oder fehlende Treffer erleben.

Wie groß dieser Effekt ist, zeigen die Bekanntmachungen des deutschen eForms-Bekanntmachungsservice 2025, ausgewertet im Ausschreibungsverzeichnis von Tender Republic, Stand 15. September 2026: Von 219.901 Verfahren tragen 210.870 einen Haupt-CPV (95,9 Prozent). Die Hälfte davon entfällt auf die Abteilung 45 Bauarbeiten, und 72.511 Verfahren (34,4 Prozent) sind nur mit dem Abteilungscode klassifiziert, einem Code mit sechs Nullen am Ende, den ein feiner Filter nie anzeigt.

Dieser Beitrag erklärt CPV-Codes aus Bietersicht: Aufbau, Rechtsgrundlagen, die Liste der 45 Abteilungen, die häufigsten Codes in deutschen Ausschreibungen und die Regeln für ein Suchprofil, das weder zu viel noch zu wenig liefert. Grundlage sind der Verordnungstext, die Anleitung und die Erläuterungen der Europäischen Kommission zum CPV 2008, die deutschen Vergabevorschriften und eigene Daten.

Wie ist ein CPV-Code aufgebaut?

Ein CPV-Code besteht aus acht Ziffern und einer neunten Prüfziffer, die durch einen Bindestrich abgetrennt ist. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Abteilung, die ersten drei die Gruppe, die ersten vier die Klasse, die ersten fünf die Kategorie; die Ziffern sechs bis acht verfeinern innerhalb der Kategorie, die neunte Ziffer dient der Überprüfung der vorangehenden Ziffern (Anhang I Nr. 2 der Verordnung (EG) Nr. 213/2008). Je mehr Nullen ein Code am Ende hat, desto allgemeiner ist er.

Ebene

Ziffern

Beispiel

Bezeichnung

Abteilung

die ersten zwei (XX000000-Y)

45000000-7

Bauarbeiten

Gruppe

die ersten drei (XXX00000-Y)

45200000-9

Komplett- oder Teilbauleistungen im Hochbau sowie Tiefbauarbeiten

Klasse

die ersten vier (XXXX0000-Y)

45260000-7

Dachdeckarbeiten und Spezialbauarbeiten

Kategorie

die ersten fünf (XXXXX000-Y)

45262000-1

Spezialbauarbeiten, außer Dachbauten

Feinere Stufen

Ziffern sechs bis acht

45262600-7, 45262670-8

Diverse Spezialbauarbeiten, Metallbauarbeiten

Prüfziffer

neunte Ziffer nach dem Bindestrich

-7 in 45000000-7

Kontrollziffer gegen Tippfehler, keine inhaltliche Bedeutung

Der Hauptteil des CPV 2008 umfasst 45 Abteilungen, 272 Gruppen, 1.002 Klassen, 2.379 Kategorien und 5.756 feinere Codes, zusammen 9.454 Einträge. Dazu kommt ein Zusatzteil mit 903 alphanumerischen Codes wie IA41-9 Restaurierung oder PA01-7 Miete, die den Hauptcode um Eigenschaften oder die Zweckbestimmung ergänzen (Anhang I Nr. 3 der Verordnung (EG) Nr. 213/2008). Für die Suche spielt der Zusatzteil kaum eine Rolle; die uns bekannten Portalfilter arbeiten mit den Codes des Hauptteils.

Was sind CPV-Codes rechtlich und wo sind sie vorgeschrieben?

Rechtlich sind CPV-Codes die verbindliche Nomenklatur für den Gegenstand öffentlicher Aufträge in der EU: festgelegt in Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 2195/2002, vorgeschrieben durch Artikel 23 Absatz 1 der Richtlinie 2014/24/EU. Die CPV-Verordnung ist seit dem 16. Dezember 2003 in Kraft (Artikel 4). Verbindlich für Bekanntmachungen wurde das CPV über die Vergaberichtlinien; das Amt für Veröffentlichungen der EU nennt dafür den 1. Februar 2006, die Anleitung der Kommission sieht die Pflicht schon mit der Verordnung (EG) Nr. 2151/2003 ab dem 16. Dezember 2003 begründet.

Die heutige Fassung CPV 2008 ist seit dem 15. September 2008 anzuwenden (Artikel 4 der Verordnung (EG) Nr. 213/2008 in der englischen Fassung und laut EUR-Lex; die deutsche Amtsblattfassung nennt den 29. September, die SIMAP-Seite den 17. September 2008).

Artikel 23 Absatz 1 der Richtlinie 2014/24/EU ordnet an, dass Verweise auf Nomenklaturen im Vergaberecht unter Verwendung des CPV erfolgen. Anhang V verlangt die CPV-Codes in der Vorinformation und in der Auftragsbekanntmachung, bei Losen für jedes Los (Teil B Nr. 5, Teil C Nr. 5), sowie in der Vergabebekanntmachung (Teil D Nr. 4).

In Deutschland setzt die Vergabeverordnung das über die eForms um: Die Auftragsbekanntmachung wird nach Spalte 16, die Vergabebekanntmachung nach Spalte 29 der Tabelle 2 im Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780 erstellt (§ 37 Absatz 2, § 39 Absatz 2 VgV), elektronisch im Datenaustauschstandard eForms und über den Datenservice Öffentlicher Einkauf (§ 10a Absatz 1, 2 und 5 VgV). Für Bauaufträge gilt dasselbe über § 12 EU Absatz 3 Nr. 2 und § 18 EU Absatz 3 Nr. 2 VOB/A.

In den eForms heißt das Feld BT-262 Hauptklassifizierungscode, definiert als der für die Beschreibung der Beschaffung am besten geeignete Klassifizierungscode; BT-263 nimmt zusätzliche Klassifizierungscodes (Nebencodes) auf, und die Feldgruppe BG-261 schreibt vor, dass als Klassifizierungstyp das CPV zu verwenden ist. In der Auftrags- und der Vergabebekanntmachung ist der Klassifizierungstyp (BT-26) als verpflichtend, der Hauptcode (BT-262) als bedingt verpflichtend gekennzeichnet. Das passt zu den Zahlen: Von 57.404 offenen Verfahren des Jahres 2025 im Bekanntmachungsservice fehlte der Haupt-CPV bei fünf.

Unterhalb der EU-Schwellenwerte ist die Lage anders. Weder § 28 Absatz 2 UVgO (Fassung 2017) noch § 12 Absatz 1 Nr. 2 VOB/A führen den CPV-Code unter den Angaben einer nationalen Auftragsbekanntmachung auf, und § 10a Absatz 6 VgV nimmt Unterschwellenvergaben von der eForms-Pflicht aus. Passend dazu fehlte der Haupt-CPV 2025 im Bekanntmachungsservice bei 6,3 Prozent der öffentlichen Ausschreibungen, bei 23,8 Prozent der beschränkten Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb und bei 43,5 Prozent der Verhandlungsvergaben ohne Teilnahmewettbewerb. Wer nur über CPV filtert, sieht diese Verfahren nicht.

Auch der Anwendungsbereich einzelner Vorschriften hängt am CPV: Die sozialen und anderen besonderen Dienstleistungen, für die § 130 GWB und §§ 64 bis 66 VgV eigene Verfahrensregeln vorsehen, sind in Anhang XIV der Richtlinie 2014/24/EU über CPV-Codes und Codebereiche definiert, etwa 85000000-9 bis 85323000-9 für das Gesundheits- und Sozialwesen.

Welche CPV-Codes gibt es? Die Liste der 45 Abteilungen

Das CPV 2008 hat 45 Abteilungen mit den Nummern 03 bis 98. Die Erläuterungen der Kommission gliedern sie in die Abteilungen 01 bis 44 und 48 für Lieferungen, 45 für Bauarbeiten und 50 bis 99 für Dienstleistungen. Die Liste zeigt jede Abteilung mit ihrer amtlichen deutschen Bezeichnung und der Zahl der Verfahren, die 2025 im deutschen Bekanntmachungsservice diesen Haupt-CPV trugen.

Code

Amtliche Bezeichnung der Abteilung

Verfahren 2025

03000000-1

Landwirtschaftliche Erzeugnisse des Pflanzenbaus und der Tierhaltung sowie Fischerei-, Forst- und zugehörige Erzeugnisse

368

09000000-3

Mineralölerzeugnisse, Brennstoff, Elektrizität und andere Energiequellen

1.583

14000000-1

Bergbau, Basismetalle und zugehörige Erzeugnisse

138

15000000-8

Nahrungsmittel, Getränke, Tabak und zugehörige Erzeugnisse

317

16000000-5

Landwirtschaftsmaschinen

821

18000000-9

Kleidung, Fußbekleidung, Gepäckartikel und Zubehör

695

19000000-6

Leder- und Textilerzeugnisse, Plastik- und Gummistoffe

59

22000000-0

Drucksachen und zugehörige Erzeugnisse

539

24000000-4

Chemische Erzeugnisse

444

30000000-9

Maschinen, Material und Zubehör für Büro und Computer, außer Möbeln und Softwarepaketen

2.841

31000000-6

Elektrische Maschinen, Geräte, Ausstattung und Verbrauchsartikel; Beleuchtung

2.257

32000000-3

Rundfunk- und Fernsehgeräte, Kommunikations- und Fernmeldeanlagen und Zubehör

1.632

33000000-0

Medizinische Ausrüstungen, Arzneimittel und Körperpflegeprodukte

2.988

34000000-7

Transportmittel und Erzeugnisse für Verkehrszwecke

7.807

35000000-4

Ausrüstung für Sicherheitszwecke, Brandbekämpfung, Polizei und Verteidigung

1.349

37000000-8

Musikinstrumente, Sportgeräte, Spiele, Spielwaren, Handwerks- und Kunstbedarf sowie Zubehör

520

38000000-5

Laborgeräte, optische Geräte und Präzisionsgeräte (außer Gläser)

3.414

39000000-2

Möbel (einschließlich Büromöbel), Zubehör, Haushaltsgeräte (ausgenommen Beleuchtung) und Reinigungsmittel

3.093

41000000-9

Rohwasser und aufbereitetes Wasser

67

42000000-6

Industrielle Maschinen

2.458

43000000-3

Maschinen und Geräte für Bergbau und Steinbrecharbeiten, Baumaschinen

568

44000000-0

Baukonstruktionen und Baustoffe; Bauhilfsprodukte (elektrische Apparate ausgenommen)

2.788

45000000-7

Bauarbeiten

105.594

48000000-8

Softwarepaket und Informationssysteme

4.253

50000000-5

Reparatur- und Wartungsdienste

12.593

51000000-9

Installation (außer Software)

221

55000000-0

Dienstleistungen des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Einzelhandels

845

60000000-8

Transport- und Beförderungsdienstleistungen (außer Abfalltransport)

1.863

63000000-9

Hilfs- und Nebentätigkeiten im Bereich Verkehr; Reisebürodienste

265

64000000-6

Post- und Fernmeldedienste

694

65000000-3

Versorgungsunternehmen

230

66000000-0

Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

441

70000000-1

Immobiliendienste

151

71000000-8

Dienstleistungen von Architektur-, Konstruktions- und Ingenieurbüros und Prüfstellen

19.612

72000000-5

IT-Dienste: Beratung, Software-Entwicklung, Internet und Hilfestellung

4.896

73000000-2

Forschungs- und Entwicklungsdienste und zugehörige Beratung

987

75000000-6

Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung

989

76000000-3

Mit der Gewinnung von Erdöl und Erdgas verbundene Dienstleistungen

51

77000000-0

Dienstleistungen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau, Aquakultur und Bienenzucht

2.701

79000000-4

Dienstleistungen für Unternehmen: Recht, Marketing, Consulting, Einstellungen, Druck und Sicherheit

5.397

80000000-4

Allgemeine und berufliche Bildung

2.673

85000000-9

Dienstleistungen des Gesundheits- und Sozialwesens

1.177

90000000-7

Abwasser- und Abfallbeseitigungs-, Reinigungs- und Umweltschutzdienste

6.928

92000000-1

Dienstleistungen in den Bereichen Erholung, Kultur und Sport

657

98000000-3

Sonstige gemeinschaftliche, soziale und persönliche Dienste

906

Quelle der Bezeichnungen: Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 213/2008 (bei Abteilung 77 ist ein Tippfehler des Amtsblatts korrigiert). Quelle der Verfahrenszahlen: Bekanntmachungen des deutschen eForms-Bekanntmachungsservice 2025, ausgewertet im Ausschreibungsverzeichnis von Tender Republic, Stand 15. September 2026; gezählt ist jedes Verfahren einmal nach seinem Haupt-CPV, gleich ob es über eine Auftragsbekanntmachung oder nur über eine Vergabebekanntmachung im Verzeichnis steht. Die vollständige Liste aller 9.454 Codes stellt das Amt für Veröffentlichungen der EU auf der SIMAP-Seite als PDF, XML, ODS und XLS bereit.

Welche CPV-Codes kommen in deutschen Ausschreibungen am häufigsten vor?

Zehn Abteilungen decken 82,3 Prozent aller deutschen Verfahren mit Haupt-CPV ab, Bauarbeiten allein die Hälfte. Grundlage: Bekanntmachungen des deutschen eForms-Bekanntmachungsservice 2025, ausgewertet im Ausschreibungsverzeichnis von Tender Republic, Stand 15. September 2026, 210.870 Verfahren mit Haupt-CPV.

Rang

Abteilung

Verfahren 2025

Anteil

1

45 Bauarbeiten

105.594

50,1 %

2

71 Dienstleistungen von Architektur-, Konstruktions- und Ingenieurbüros und Prüfstellen

19.612

9,3 %

3

50 Reparatur- und Wartungsdienste

12.593

6,0 %

4

34 Transportmittel und Erzeugnisse für Verkehrszwecke

7.807

3,7 %

5

90 Abwasser- und Abfallbeseitigungs-, Reinigungs- und Umweltschutzdienste

6.928

3,3 %

6

79 Dienstleistungen für Unternehmen: Recht, Marketing, Consulting, Einstellungen, Druck und Sicherheit

5.397

2,6 %

7

72 IT-Dienste: Beratung, Software-Entwicklung, Internet und Hilfestellung

4.896

2,3 %

8

48 Softwarepaket und Informationssysteme

4.253

2,0 %

9

38 Laborgeräte, optische Geräte und Präzisionsgeräte (außer Gläser)

3.414

1,6 %

10

39 Möbel (einschließlich Büromöbel), Zubehör, Haushaltsgeräte (ausgenommen Beleuchtung) und Reinigungsmittel

3.093

1,5 %

Der häufigste einzelne Haupt-CPV ist 45000000-7 Bauarbeiten mit 44.087 Verfahren, also der nackte Abteilungscode: 41,8 Prozent aller Bauverfahren des Jahres 2025 sind nicht feiner klassifiziert. Dahinter folgen 50000000-5 Reparatur- und Wartungsdienste (10.495), 71000000-8 (5.007), 71300000-1 Dienstleistungen von Ingenieurbüros (3.337), 71240000-2 (2.318), 72000000-5 (2.253), 45311200-2 Elektroinstallationsarbeiten (2.132) und 48000000-8 (2.072).

Über alle Abteilungen hinweg tragen 72.511 Verfahren (34,4 Prozent) nur einen Abteilungscode, 18.571 (8,8 Prozent) enden auf Gruppenebene, 25.689 (12,2 Prozent) auf Klassenebene, und nur 94.099 (44,6 Prozent) sind feiner als eine Klasse codiert. Von den 9.454 Codes des Vokabulars kamen 2025 als Haupt-CPV 4.675 vor. Das Vokabular ist also feiner, als die Vergabestellen es nutzen.

Das widerspricht der dringenden Empfehlung in den Erläuterungen der Europäischen Kommission zum CPV 2008: Dort wird strengstens empfohlen, die Codes an der Spitze der Baumstruktur nicht zu verwenden, da sie mögliche Lieferanten irreführen könnten. Für Bieter heißt das: Ein Suchprofil, das nur exakte Codes wie 45421000-4 Bautischlerarbeiten enthält, verpasst jedes Verfahren, das die Vergabestelle nur als 45000000-7 codiert hat.

Wie finde ich den richtigen CPV-Code für mein Unternehmen?

Den richtigen CPV-Code finden Sie in vier Schritten: Abteilung wählen, in der Baumstruktur nach unten gehen, per Stichwortsuche im Vokabular gegenprüfen und das Ergebnis an Ihren tatsächlich gewonnenen Ausschreibungen messen. Die Anleitung der Europäischen Kommission zum CPV beschreibt die ersten drei Schritte (Kapitel 6.2 und 6.3), der vierte fehlt dort, ist aber der wichtigste.

Erstens: Beginnen Sie bei der Abteilung, nicht beim Stichwort. Bauleistungen liegen unter 45, Planungsleistungen unter 71, Wartung unter 50, Standardsoftware unter 48, Softwareentwicklung und IT-Beratung unter 72. Die Abteilung 48 ist nach den Erläuterungen nur zu verwenden, wenn Software von der Stange im Paket erworben wird; die Entwicklung kundenspezifischer Software gehört in die Klasse 7223. Wer beides anbietet, braucht Codes aus beiden Abteilungen.

Zweitens: Gehen Sie die Stufen nach unten und notieren Sie jeden Code auf dem Weg. Für einen Elektroinstallateur sind das 45300000-0 Bauinstallationsarbeiten, 45310000-3 Installation von elektrischen Leitungen, 45311000-0 Installation von Elektroanlagen und 45311200-2 Elektroinstallationsarbeiten. Die Anleitung rät ausdrücklich, auch benachbarte Codes zu prüfen, die vor oder nach dem eigenen Bereich stehen.

Drittens: Prüfen Sie per Stichwortsuche im Vokabular, ob Ihre Leistung in anderen Abteilungen ein zweites Zuhause hat. Die Anleitung empfiehlt dafür schlicht den Autofilter in einer Tabellenkalkulation über die XLS-Datei des CPV. Das dortige Beispiel Gemüse trifft Codes in den Abteilungen 03, 15, 16 und 42. Das Stichwort elektrisch trifft rund 70 Codes in 16 Abteilungen; für einen Elektrobetrieb zählen davon vor allem 31 (Lieferung), 45 (Bau), 50 (Wartung) und 51 (Installation).

Viertens: Nehmen Sie die Bekanntmachungen der letzten zwei Jahre, auf die Sie geboten haben oder hätten bieten wollen, und lesen Sie deren Haupt- und Nebencodes ab. Was dort steht, ist Ihr Profil, nicht das, was im Vokabular logisch wäre. Dabei landen meist auch die Abteilungscodes im Profil, weil ein Drittel der Verfahren nur so codiert ist; das erhöht die Fehltreffer, ist aber der Preis der Vollständigkeit.

Die Auftragsart, also Bau-, Liefer- oder Dienstleistungsauftrag, ist in der Bekanntmachung ein eigenes Feld (BT-23) und folgt aus § 103 GWB. Für Bauaufträge verweist § 103 Absatz 3 GWB auf Anhang II der Richtlinie 2014/24/EU, der die Bautätigkeiten mit den CPV-Codes der Abteilung 45 aufzählt; bei unterschiedlichen Auslegungen zwischen CPV und NACE gilt dort die CPV-Nomenklatur. Die Unterscheidung ist zum Beispiel für das Bundestariftreuegesetz relevant, das Bau- und Dienstleistungsaufträge sowie Konzessionen erfasst, Lieferaufträge nicht.

Warum finden Bieter über CPV-Codes trotzdem die falschen Ausschreibungen?

CPV-Filter liefern falsche Treffer, weil der CPV-Code eine Einschätzung der Vergabestelle ist, keine Eigenschaft der Leistung. Die eForms verlangen den am besten geeigneten Klassifizierungscode, und die SIMAP-Seite des Amts für Veröffentlichungen weist Auftraggeber an, auf Abteilung, Gruppe, Klasse oder Kategorie auszuweichen, wenn das Vokabular nicht präzise genug ist. Was passend ist, entscheidet die Vergabestelle beim Anlegen der Bekanntmachung. Geprüft wird nur, ob die Pflichtfelder gefüllt sind; eine inhaltliche Prüfung der Zuordnung sehen Richtlinie, Durchführungsverordnung und VgV nicht vor.

Fünf Mechanismen erzeugen die Fehltreffer. Erstens die Grobcodierung: 34,4 Prozent der Verfahren tragen nur den Abteilungscode, bei Bauarbeiten 41,8 Prozent. Zweitens die Mehrfachcodes: 100.945 Verfahren (47,9 Prozent) nennen mehr als einen CPV, über alle Verfahren mit Haupt-CPV sind es im Schnitt 2,68 Codes, im Extremfall 90. Ein Verfahren für Tischlerarbeiten an Fenstern trug 2025 den Hauptcode 45000000-7 und dazu 43000000-3 (Baumaschinen), 44000000-0 (Baustoffe) und 71000000-8 (Ingenieurleistungen); ein Portal, das über Nebencodes filtert, zeigt es auch Ingenieurbüros.

Dieses Muster ist kein Einzelfall, sondern ein Standardsatz: 34.239 Verfahren des Jahres 2025 tragen exakt die vier Codes 45000000, 43000000, 44000000 und 71000000, weitere 9.694 einen zweiten festen Satz aus 14 Dienstleistungsabteilungen zwischen 50 und 98. Zusammen sind das 43.933 Verfahren oder 20,8 Prozent, und soweit die Verfahrensart erfasst ist, fast ausschließlich nationale Verfahren.

Solche Sätze beschreiben erkennbar keine einzelne Leistung, sondern eine Rubrik wie Bauleistungen oder Dienstleistungen; wie sie entstehen, lässt sich aus den Bekanntmachungen nicht ablesen. Ein Drittel aller Bauverfahren (34.671) trägt einen Nebencode aus der Abteilung 71, davon 34.239 als Teil dieses Vierersatzes.

Drittens die Fehlzuordnung: Ein Verfahren über Labormöbel und Gasversorgung lief unter dem Hauptcode 45000000-7 Bauarbeiten, die Möbel standen nur in den Nebencodes 39180000-7 Labormöbel und 39181000-4 Labortische. Ein Möbellieferant, der auf den Hauptcode filtert, sieht es nie. Viertens die Lose: Anhang V der Richtlinie verlangt die Codes je Los; von 11.806 Verfahren mit mehreren Losen tragen aber 9.676 (82,0 Prozent) für jedes Los denselben CPV wie das Gesamtverfahren, die Los-Ebene liefert für die Suche also selten zusätzliche Information. Fünftens der fehlende Code unterhalb der Schwellenwerte, wie oben gezeigt.

Bieter beschreiben genau das. In unseren Gesprächen mit Unternehmen, die regelmäßig auf Ausschreibungen bieten, sagte ein IT-Dienstleister, CPV-Codes seien leider nicht eindeutig, jeder lege sich das zurecht, wie er es brauche; ein Ingenieurbüro wollte weg von CPV-Codes und Schlagworten, weil die Suche nach Seefahrt regelmäßig Seebestattungen lieferte; ein Berater beschrieb die CPV-Angaben auf den Portalen als oft unvollständig oder fehlerhaft.

Die Stichwortsuche ist keine Alternative, sondern die andere Hälfte desselben Problems: Ein Unternehmen mit dem Suchbegriff IT Security bekam Ausschreibungen für Löschfahrzeuge, weil das Wort irgendwo in den Unterlagen stand. CPV-Filter sind zu grob, Stichwortfilter zu wörtlich. Was fehlt, ist die Prüfung des Inhalts gegen das eigene Leistungsprofil, und die passiert heute manuell beim Durchklicken der Trefferliste. Wo der CPV in der Bekanntmachung steht und was Sie dort noch prüfen sollten, bevor Sie Unterlagen öffnen, beschreibt unser Beitrag zu KO Kriterien in Vergabeunterlagen.

Wo muss ich als Bieter CPV-Codes angeben?

Bieter müssen CPV-Codes nirgends angeben, auch nicht im Angebot. CPV-Codes sind eine Pflichtangabe der Vergabestelle in der Bekanntmachung (Anhang V der Richtlinie 2014/24/EU), nicht des Bieters; eine Pflicht für Bieter, im Teilnahmeantrag oder im Angebot einen CPV-Code zu nennen, sieht keine der hier geprüften Vorschriften vor (GWB, VgV, UVgO, VOB/A, Richtlinie 2014/24/EU, eForms-Durchführungsverordnung). An drei Stellen arbeiten Sie trotzdem damit.

Erstens in Suchprofilen. Der Bekanntmachungsservice des Datenservice Öffentlicher Einkauf filtert den Auftragsgegenstand über CPV-Codes, bietet daneben aber Kategorien sowie mit ATV-DIN, PQ-VOB und STLB-Bau drei Bauklassifikationen an (Stand 15. September 2026), ein Hinweis darauf, dass der CPV für Bauleistungen allein nicht reicht. TED sucht über den Wirtschaftszweig (CPV).

Zweitens bei der Präqualifikation. Das Amtliche Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen der Industrie- und Handelskammern (§ 48 Absatz 8 VgV) weist das Leistungsprofil der eingetragenen Unternehmen mit CPV-Codes aus; Auftraggeber suchen dort gezielt nach geeigneten Unternehmen. Wer sich eintragen lässt, legt seine Codes einmal fest und sollte sie mit dem Suchprofil abgleichen.

Drittens in der eigenen Statistik. Wer den Haupt-CPV jeder Bekanntmachung mitschreibt, auf die er bietet, sieht nach einem Jahr, unter welchen Codes die gewonnenen Aufträge tatsächlich liefen: die verlässlichste Grundlage für das Suchprofil.

CPV-Code und Branche: warum Mittelständler anders suchen, als das Vokabular gegliedert ist

Das CPV ist produktorientiert, nicht gewerkeorientiert. Die Verordnung (EG) Nr. 213/2008 hat das Vokabular bewusst von einer material- auf eine produktbezogene Struktur umgestellt (Erwägungsgrund 3), und die Codes für Dienstleistungen beschreiben nach der Anleitung die Art der Leistung und wofür oder für wen sie erbracht wird. Ein Betrieb sucht aber nach seinem Gewerk, und ein Gewerk verteilt sich im CPV auf mehrere Abteilungen.

Ein Elektrofachbetrieb findet seine Aufträge unter 45311200-2 Elektroinstallationsarbeiten, aber ebenso unter 50711000-2 Reparatur und Wartung von elektrischen Einrichtungen in Gebäuden, unter 51110000-6 Installation von elektrischen Einrichtungen und als Lieferung unter 31000000-6. Die Erläuterungen ziehen die Grenzen so: Elektroinstallationsarbeiten in Zusammenhang mit Bauarbeiten gehören zur Klasse 4531, nicht zur Gruppe 511; Installateurarbeiten sind in 45330000-9 erfasst, nicht unter 50510000-3. Ob die Vergabestelle diese Grenze kennt und anwendet, kann der Bieter nicht vorhersehen.

Ein Softwarehaus steht vor derselben Frage zwischen 48 und 72: Nach den Erläuterungen ist 48 nur für Software von der Stange, 72 für Entwicklung, Beratung und Wartung von Software. 2025 liefen 4.253 Verfahren unter 48 und 4.896 unter 72; wer beides anbietet und nur eine Abteilung im Profil hat, verpasst rund die Hälfte seines Marktes.

Ingenieurbüros wiederum finden 19.612 Verfahren unter 71; von den 34.671 Bauverfahren mit einem Nebencode 71 gehören dagegen 34.239 zum oben beschriebenen Standardsatz, der keine Leistung beschreibt. Ein Profil, das 71 als Nebencode abfragt, holt sich damit vor allem Fehltreffer.

Die Konsequenz für das Suchprofil: Denken Sie in Leistungen, wie der Auftraggeber sie beschreibt, nicht in der Selbstbeschreibung Ihres Unternehmens, und legen Sie pro Leistung die Codes aller Abteilungen an, in denen sie auftauchen kann. Die Anleitung empfiehlt Auftraggebern höchstens 20 Codes je Bekanntmachung; für Bieterprofile gibt es keine solche Grenze, und nach unserer Erfahrung sind sie eher zu eng als zu weit.

Was Tender Republic daran anders macht

Tender Republic filtert nicht über CPV-Codes und Stichwörter, sondern gleicht jede Ausschreibung inhaltlich mit dem Leistungsprofil Ihres Unternehmens ab und bewertet sie mit 1 bis 3. Der CPV bleibt sichtbar, mit deutscher Bezeichnung, aber er entscheidet nicht mehr darüber, ob Sie ein Verfahren sehen. Wie das aussieht, zeigen wir auf der Startseite.

Häufige Fragen zu CPV-Codes

Ist der CPV-Code für Bieter verpflichtend?

Nein. Die Pflicht trifft die Vergabestelle, die in jeder EU-weiten Bekanntmachung CPV-Codes angeben muss (Anhang V Teil B Nr. 5, Teil C Nr. 5 und Teil D Nr. 4 der Richtlinie 2014/24/EU; § 37 Absatz 2 und § 10a VgV). Bieter geben im Teilnahmeantrag und im Angebot keinen CPV-Code an. Freiwillig nutzen sie ihn in Suchprofilen und im Amtlichen Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen.

Wie viele CPV-Codes gibt es?

9.454 im Hauptteil und 903 im Zusatzteil des CPV 2008 (Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 213/2008; die Anleitung der Europäischen Kommission nennt für den Hauptteil ungefähr 9.454 Begriffe). Der Hauptteil gliedert sich in 45 Abteilungen, 272 Gruppen, 1.002 Klassen, 2.379 Kategorien und 5.756 feinere Codes. In deutschen Bekanntmachungen des Jahres 2025 kamen davon 4.675 als Haupt-CPV vor.

Was bedeutet die Prüfziffer im CPV-Code?

Die neunte Ziffer nach dem Bindestrich ist eine Kontrollziffer zur Überprüfung der acht vorangehenden Ziffern (Anhang I Nr. 2 der Verordnung (EG) Nr. 213/2008), 1994 eingeführt, um Tippfehler abzufangen. Sie hat keine inhaltliche Bedeutung: 45000000-7 und 45000000 bezeichnen dieselbe Abteilung Bauarbeiten. Das Vokabular selbst führt die Prüfziffer mit; der Datenstandard eForms, in dem die Bekanntmachungen erstellt werden, verwendet in seiner CPV-Codeliste nur die acht Ziffern, ebenso Anhang II der Richtlinie 2014/24/EU und Datenbanken wie unser Ausschreibungsverzeichnis.

Kann eine Ausschreibung mehrere CPV-Codes haben?

Ja. Die eForms sehen einen Hauptklassifizierungscode (BT-262) und beliebig viele zusätzliche Klassifizierungscodes, die Nebencodes (BT-263), vor, bei Losen jeweils je Los. 2025 nannten 100.945 der 210.870 deutschen Verfahren mit Haupt-CPV mehr als einen Code, 73.712 drei oder mehr, das Maximum lag bei 90 Codes (Bekanntmachungsservice 2025, ausgewertet im Ausschreibungsverzeichnis von Tender Republic, Stand 15. September 2026). Für die Suche zählt, ob Ihr Portal auch die Nebencodes abfragt.

Wo finde ich die vollständige CPV-Liste auf Deutsch?

Auf der SIMAP-Seite des Amts für Veröffentlichungen der EU (ted.europa.eu/de/simap/cpv) als PDF, XLS, ODS und XML in allen Amtssprachen, außerdem im Amtsblatt L 74 vom 15. März 2008 auf EUR-Lex. Die XLS-Datei enthält den Hauptteil und den Zusatzteil in getrennten Tabellenblättern und eignet sich für die Stichwortsuche per Autofilter, wie sie die Anleitung zum CPV beschreibt.

Quellen

  • Verordnung (EG) Nr. 2195/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. November 2002 über das Gemeinsame Vokabular für öffentliche Aufträge (CPV), ABl. L 340 vom 16.12.2002, eur-lex.europa.eu

  • Verordnung (EG) Nr. 213/2008 der Kommission vom 28. November 2007 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2195/2002 (CPV 2008) mit Anhang I (Hauptteil und Zusatzteil), ABl. L 74 vom 15.3.2008, eur-lex.europa.eu

  • Amt für Veröffentlichungen der EU, SIMAP: Gemeinsames Vokabular für öffentliche Aufträge (CPV), ted.europa.eu; Europäische Kommission, Anleitung zum Gemeinsamen Vokabular für öffentliche Aufträge (CPV 2008), PDF; CPV 2008 Erläuterungen, PDF

  • Richtlinie 2014/24/EU über die öffentliche Auftragsvergabe, Artikel 23, Artikel 74, Anhang II, Anhang V Teile B, C und D, Anhang XIV, eur-lex.europa.eu

  • Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780 der Kommission (eForms), Anhang, Tabelle 2, Felder BG-261, BT-23, BT-26, BT-262 und BT-263, konsolidierte Fassung, eur-lex.europa.eu

  • §§ 10a, 37, 39, 48, 64 bis 66 VgV, gesetze-im-internet.de; §§ 103, 130 GWB, gesetze-im-internet.de; § 1 Bundestariftreuegesetz, gesetze-im-internet.de; § 28 UVgO und §§ 12, 12 EU, 18 EU VOB/A, vergabevorschriften.de

  • Bekanntmachungsservice des Datenservice Öffentlicher Einkauf, oeffentlichevergabe.de; Amtliches Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen, amtliches-verzeichnis.ihk.de

  • Europäische Kommission, Vorschlag für eine Verordnung über öffentliche Aufträge und Konzessionen (Public Procurement Act), COM(2026) 590 vom 9. September 2026, eur-lex.europa.eu

Stand: 15. September 2026. Das CPV 2008 gilt seit dem 15. September 2008 unverändert; die Verordnung (EU) 2022/943 berichtigte nur die estnische und die kroatische Sprachfassung. Die Europäische Kommission kündigt in der Begründung ihres Vorschlags für einen Public Procurement Act vom 9. September 2026 an, dass das vorgeschlagene System aus Datenräumen und erweiterten Veröffentlichungspflichten eine Aktualisierung des CPV erfordern wird; der Vorschlag selbst enthält keinen Entwurf des neuen Vokabulars. Eigene Zahlen: Ausschreibungsverzeichnis von Tender Republic, Datenbasis Bekanntmachungen des deutschen eForms-Bekanntmachungsservice 2025. Der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.